Trainee-Auftakt zum Projekt “Medienkompetenz”

Nach der etwas kryptischen Ankündigung vergangene Woche hier nun die große Auflösung und zugleich offizieller Startschuss für mein Trainee-Projekt 2012.

Im Rahmen des grünen Trainee-Programms 2012 werde ich mein Projekt zur Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen unter Betreuung von Ulrike Gote (MdL) umsetzen. Das Projekt besteht aus mehreren Eckpfeilern, die ich hier kurz vorstellen möchte und ist sowohl für Lehrer_innen als auch Eltern und Politiker_innen sowie für Medienkompetenz-Hellhörige interessant.

  • Leitfaden für Lehrer_innen
    Kernbestandteil des Projekts ist ein Leitfaden zur Vermittlung von Medienkompetenz an Kinder und Jugendliche. Der Leitfaden soll zeitlich und thematisch so flexibel sein, dass es sowohl möglich ist, eine einzelne Schulstunde zu Cyber-Mobbing zu halten, als auch, ein ganzes Schuljahr zu Chancen und Risiken des Internets zu gestalten.
  • Unterrichtsmaterial
    Ergänzend zum Leitfaden soll eine Menge Unterrichtsmaterial erstellt werden — online wie offline.
  • Schulung
    Im dritten Teil des Projekts möchte ich den Leitfaden quasi ausprobieren. Im Rahmen einer Medienkompetenz-Schulung/-Workshop im Schuljahr 2012/13.
  • Blog
    Dokumentiert und festgehalten wird das Projekt hier im Blog. In welcher Form der Leitfaden und/oder die Unterrichtsmaterialien hier veröffentlicht werden, steht noch nicht fest, ist aber schon in der einen oder anderen Form geplant.

Um über den Fortschritt des Projekts auf dem Laufenden zu bleiben, lohnt sich übrigens einerseits das Abonnieren dieses Blogs — wahlweise per RSS oder Mail. Und andererseits werde ich mich bemühen, alle entsprechenden Beiträge mit dem Schlagwort #Trainee12 zu versehen, sie sind also alle auf der Schlagwort-Seite zu lesen.

Gewagte Demokratie

Christoph Chorherr ist seit 1991 Gemeinderat der Wiener Grünen.

Man könnte Christoph Chorherr ob des Zeitpunkts der Veröffentlichung seines neuen Buchs Sensationalismus vorwerfen. Denn ganz egal, ob man nach Stuttgart oder Kairo, an die Wall Street oder in die Donnerstagnacht im ORF schaut, überall verlangen Menschen nach Veränderung. Doch man kann Christoph Chorherr diesen Vorwurf nur solange machen, bis man die ersten Seiten von “Verändert! Über die Lust, Welt zu gestalten” gelesen hat. Spätestens dann wird klar, dass es ihm um mehr geht, als den bloßen Aufschrei.

Einerseits wird das bei den vorgestellten Projekten deutlich: Von der W@lz, einer Wiener Privatschule, ist da etwa die Rede. Oder von Ithuba, einem Schulprojekt in Südafrika, Nähe Johannesburg. Beides ist mit Chorherr gewachsen. Und mit beidem scheint Chorherr selbst gewachsen zu sein. So jedenfalls vermittelt es der in Wien geborene und lebende Politiker, wenn er die Projekte als “Herzensprojekte” bezeichnet und von ihnen schwärmt, als müssten andere von deren Erfolg erst noch überzeugt werden. Das kommt an. Mit jeder Seite wächst das Dilemma beim Leser, einerseits aktiv werden zu wollen, andererseits das Buch dafür nicht aus der Hand legen zu wollen.

Man könnte Christoph Chorherr auch vorhalten, dass er durch familiäre Umstände gewisse Vorteile gegenüber dem durchschnittlichen Leser hat, die ihm das ein oder andere Projekt erleichterten, ja überhaupt erst ermöglichten. Doch man kann ihm das nur solange vorhalten, bis er selbst im Buch darauf zu sprechen kommt. Denn spätestens dann wird klar, dass er sich dieses Vorteils bewusst ist und diesen auch nützt(e); doch es scheint, dass er damit auch höhere Anforderungen an sich selbst stellte. Frei nach dem Motto: Wer mehr Möglichkeiten hat, sollte diese auch entsprechend stärker nutzen.

Folgerichtig sind die weiteren Schwerpunkte des Buchs auch große Ziele: Der Umstieg auf 100 % erneuerbare Energie etwa, die Auto-freie Stadt, oder die Erneuerung der österreichischen Demokratie. Für alle Themen hat Chorherr jeweils Negativ-Beispiele wie auch Lösungsvorschläge parat. So soll die Politik transparenter werden und den Regierungschef würde Chorherr nach US-Vorbild gerne direkt wählen. Überhaupt wünscht er sich mehr direkte Demokratie und damit auch mehr Vertrauen in die Bürger.

“Ja, Demokratie ist ein Wagnis. Man muss sich trauen, Entscheidungen den Menschen zu übergeben.”
(Chorherr, 2011, S. 84)

Allen Beispielen und Vorschlägen zum Trotz hat man während der gesamten Lektüre dennoch nie das Gefühl, dass die Themen bis ins Detail behandelt werden. Das mag oder mag nicht die Absicht des Autors gewesen sein, dem Lesefluss schadet es jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Bevor einzelne Kapitel zur reinen Überzeugungsarbeit verkommen, überlässt der Autor die Bewertung darüber lieber dem Leser.

Andererseits ist gerade diese Kürze vielleicht das Einzige, was man Christoph Chorherr nach der Lektüre wirklich vorwerfen kann. Denn so sehr das Buch den Eindruck erweckt, und kein Kapitel macht dies deutlicher als Chorherrs fast 30-seitige Ode an das Fahrrad, dass der Autor nach wie vor aus und für persönliche Überzeugungen kämpft; so sehr hat man das Gefühl, dass der Autor durchaus mehr zu erzählen hätte. Immerhin ist Chorherr, das verrät das Vorwort, “[...] bald 30 Jahre politisch tätig [...]“.

Ein Rückblick ist das Buch dennoch nicht. Wäre auch schade. Schließlich sind es gerade solche Politiker, die einen hoffnungsvoll stimmen. Und es sind gerade solche Bücher, die motivieren, auch selbst mehr Demokratie zu wagen. Und mehr Fahrrad zu fahren.

  • Chorherr, Christoph (2011). Verändert! Über die Lust, Welt zu gestalten. Wien: Kremayr & Scheriau.